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Der Arendsee ging schon vor mehr als 1000 Jahren in die geschriebene Geschichte ein. In den fränkischen Jahrbüchern heißt im Jahr 822:
„ In einem Teil des östlichen Sachsenlandes, der an der Grenze der Sorben sich befindet und einer verlassenen Gegend, die Arnsee, hob sich das Erdreich…“
Jahre später brach das Erdreich ein, durch unterirdische Ausschwemmungen und Auslaugungen
von Gips und Salzen waren große Hohlräume, so genannte Dome, entstanden, die nach
einem lang anhaltenden und heftigen Regen einstürzten.
Vor dem
Einsturz hatte sich hier bereits ein kleiner See von etwa einem fünftel der heutigen
Fläche befunden. Der Einbruch vergrößerte den See auf etwa 500 Hektar.
Seinen Namen Arnsee, gleich „Adlersee“, hatte das Gewässer bereits erhalten. Die
sprachliche Deutung ist aber bis heute nicht belegt. (Der letzte Seeadler fiel am
11. März 1875 einem Jagdfrevler zum Opfer.) Aus einer fränkischen Warte und der
Siedlung Haworth entwickelte sich das Dorf, das später den Namen des Sees, Arendsee,
übernahm. Der Wahrheitsgehalt der erzählten Sage begegnet uns einige hundert Jahre
später. Amtmann Albrecht Ludwig Walter zu Amt Arendsee berichtete am 3. Dezember
1685 an die Kurfürstliche Amtskammer zu Cölln a. de. Spree schriftlich:
„Schon am 24. November (1685) sei ein starker Sturm aufgekommen. Am Tag darauf wurden
morgens um 7 Uhr von den Menschen der Umgebung starke Erschütterungen wahrgenommen,
gleich einem Erdbeben. Etwa gegen 2 Uhr am Nachmittag begann ein Stück des Seeufers
abzubrechen und zu sinken. Am See stehende Weiden, 10 Kohl- und Krautgärten, der
Windmühlenberg samt der darauf stehenden Windmühle waren in den See gestürzt.“
Die Naturkatastrophe, so wird beschrieben, dauerte 30 Minuten. Die versunkene Fläche
betrug etwa 40 Hektar. Einwohner wollen gesehen haben, dass „eichenstarke Quellen“
hoch aus dem See aufschossen. Wie durch ein Wunder kam kein Mensch um sein Leben.
In der Stadt herrschte große Panik, die Bürger befürchteten weitere Erdrutsche.
Tag und Nacht wurden Wachen aufgestellt, die das Seeufer beobachten mussten. Die
Menschen kehrten nur sehr zögernd in ihre Häuser zurück, viele waren zu Bekannten
und Verwandten in umliegende Dörfer geflohen.
Noch mehr als 100 Jahre feierte am 25. November unsere Stadt zum Gedenken an das
Naturereignis einen „Städtischen Bußtag“.
Mit der Zeit wurde der Seeeinbruch eine Legende, um die untergegangene Mühle rankte
sich die Sage vom Müller Arend.
1982 fahndeten Sporttaucher im See nach der gesunkenen Mühle. In einer Tiefe von
12 Metern wurden ihre Reste gefunden. Geborgen wurde der etwa zwei Tonnen schwere
Mühlstein 1983, einen
zweiten Mahlstein bargen Sporttaucher aus Arendsee in einer
spektakulären Aktion am 10. Juni 2000. Beide Mahlsteine sind jetzt im Klosterhof ausgestellt. 1985 gab Arendsee anlässlich der 300. Wiederkehr dieses Ereignisses
einen Sonderstempel der Post heraus. Belegt ist auch, dass der Müller der untergegangenen Mühle nicht „Arend“ hieß, sein Name war Joachim.
Das Tiefengeheimnis des Arendsees
Der Arendsee gehört zu den seltenen Einbruchseen. War er noch im 8. Jahrhundert
etwa ein fünftel so groß wie heute, so bestimmte der erste Erdfalle (822) wesentlich
die Tiefen und die Unterwassergestalt des Sees. Galten die Tiefen vormals als „unergründlich“,
so führten wissenschaftliche Unternehmungen, beginnend im Jahr 1786 bis in die 50er
Jahre dieses Jahrhunderts, zu den Erkenntnissen, die in den nachfolgenden Zahlen
deutlich werden:
Fläche: 554 ha
Länge: 3,2 km
Breite: 2,1 km
Umfang: 8,9 km
Größte Tiefe: 52 m
Durchschnittliche Tiefe: 29,3 m |